„Wir müssen die Strangleitungen machen." Solche Sätze stehen in Angeboten, in Protokollen und in Schadenmeldungen - und sie sind regelmäßig zu ungenau, um daraus einen Auftrag oder eine Kostenzuordnung abzuleiten. Wer ein Angebot vergleichen oder eine Zuständigkeit klären will, muss die Begriffe auseinanderhalten. Hier stehen sie sortiert.
Strang
Ein Strang ist die senkrecht durch das Gebäude laufende Leitungsführung, die die übereinanderliegenden Wohnungen versorgt oder entwässert. Der Begriff ist ein Sammelbegriff: Er umfasst Trinkwasser kalt, Trinkwasser warm, die Zirkulationsleitung und die Abwasserfallleitung.
Wenn von einer Strangsanierung die Rede ist, ist die Erneuerung dieser senkrechten Leitungen über alle Geschosse gemeint - nicht die Reparatur einer einzelnen Stelle.
Steigleitung und Fallleitung
Der Unterschied ist die Richtung des Mediums, und er ist alles andere als akademisch.
Die Steigleitung - auch Steigstrang - führt Trinkwasser von unten nach oben zu den Wohnungen. Sie steht unter Druck. Ihre typischen Ausfallgründe sind Korrosion, Verockerung und der daraus folgende Druckverlust.
Die Fallleitung - auch Fallstrang - führt Abwasser von oben nach unten zur Grundleitung. Sie läuft im freien Gefälle. Ihre typischen Ausfallgründe sind Verstopfung, Ablagerung und Undichtigkeit an den Muffen.
Wer die beiden verwechselt, unterschätzt regelmäßig den Umfang: Eine Sanierung, die nur die Trinkwasserseite umfasst, lässt die Abwasserseite offen - und die Wände sind dann bereits geschlossen.
Strangleitung
Strangleitung ist ein umgangssprachliches Synonym für den Strang selbst. In Angeboten taucht der Begriff häufig auf, ohne dass klar wird, ob Trinkwasser, Abwasser oder beides gemeint ist.
Für die Verwaltung ist das die wichtigste Rückfrage überhaupt: Welche Medien, welche Geschosse, mit oder ohne Anbindeleitungen? An genau dieser Unschärfe entstehen später Nachträge - und sie ist der Grund, warum zwei Angebote über „Strangleitungen" völlig unterschiedliche Summen ergeben können, ohne dass eines davon falsch wäre.
Anbindeleitung und Stockwerksleitung
Die Anbindeleitung ist die waagerechte Leitung, die von der senkrechten Steigleitung zu den Entnahmestellen einer Wohnung abzweigt - zu Waschbecken, Dusche, WC und Küche. Gebräuchlich ist auch Stockwerksleitung.
Sie ist der Übergang vom Strang zur Wohnung und damit häufig die Grenze zwischen Gemeinschafts- und Sondereigentum. Wo genau die Grenze verläuft, bestimmt die Teilungserklärung.
Grundleitung
Die Grundleitung ist die Abwasserleitung im oder unter der Bodenplatte, in die die Fallleitungen münden und die zum öffentlichen Kanal führt. Sie liegt meist unzugänglich und wird deshalb häufig zerstörungsarm von innen saniert statt freigelegt.
Schäden fallen hier spät auf - durch Rückstau, Geruch oder Setzungen im Kellerboden. Wer eine Strangsanierung plant, sollte den Zustand der Grundleitung mit erfassen lassen: Sie später zu sanieren, wenn die Geschosse fertig sind, ist die teuerste aller Reihenfolgen.
Schacht und Schachtstock
Der Installationsschacht ist der senkrechte Hohlraum, in dem die Stränge geführt werden. In Berlin ist dafür der Begriff Schachtstock gebräuchlich - eine Schachtstocksanierung meint dort in aller Regel dasselbe wie eine Strangsanierung.
Ob der Schacht begehbar ist, über Revisionsöffnungen zugänglich oder zugemauert, entscheidet maßgeblich über die Kosten. Es ist der Faktor, der bei zwei baugleich wirkenden Häusern die größte Preisdifferenz erzeugt.
Warum die Genauigkeit Geld spart
An den Begriffen hängt die Zuständigkeit, und an der Zuständigkeit hängt die Kostenverteilung. Wer in einem Leistungsverzeichnis oder einer Schadenmeldung nicht sauber zwischen Strang, Anbindeleitung und Entnahmestelle unterscheidet, kann die Kosten nicht zuordnen - und verhandelt das später in der Eigentümerversammlung statt vorher im Angebot.
Ein Leistungsverzeichnis, das keine Rückfragen offenlässt.
Wir bewerten den Zustand, benennen Medien, Geschosse und Leitungsabschnitte einzeln und machen Angebote dadurch vergleichbar - herstellerneutral und ohne eigene Ausführung.
Strangsanierung neutral planen